Meine Reise nach Sibirien in Bildern

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Irkutsk – russische Stadt in Asien

Täglich ging ich auf dem Weg zur Schule durch den Zentralnji Rynok, den zentralen Markt in Irkutsk. Ein tägliches, aufregendes Gewimmel von Leuten, eine Fülle von Gerüchen und prallvollen Marktständen. Mich erinnerte dieser Markt immer ein wenig an Thailand, und Irkutsk liegt ja schliesslich auch in Asien.

Hier ein paar Markt-Impressionen, aufgenommen an meinem letzten Tag hier in Irkutsk. Morgen schon geht mein Flugzeug via Moskau zurück nach Zürich.

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Baikalsee: Naturparadies in Sibirien

«Der Baikalsee? Ist das nicht der See, den es bald nicht mehr gibt?» Diese Frage hörte ich mehr als einmal, als ich Leuten sagte, dass ich an den Baikalsee reise. Manche Leute verwechseln den Baikalsee offenbar mit dem Aralsee, der – in einer komplett anderen Region der ehemaligen Sowjetunion, zwischen Kasachstan und Usbekistan – in der Tat für eine (menschengemachte) Naturkatastrophe steht.

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Der Baikalsee aus dem Flugzeug von Irkutsk nach Ulan Ude.

Der Baikalsee – der tiefste und wasserreichste See der Erde – ist das Gegenteil einer Naturkatastrophe: er ist bis heute ein Naturparadies. Städte gibt es direkt an See keine; im südlichen Teil des Sees liegen Irkutsk etwa eine Autostunde nordwestlich und Ulan Ude etwa zwei Autostunden südöstlich des Ufers. Weite Teile um den See stehen unter Naturschutz. Das Wasser ist glasklar; der Seeboden lässt sich auch durch mehrere Meter tiefes Wasser erkennen. Es ist so sauber, dass die Bewohner der Insel Olchon das Baikal-Wasser bis heute direkt aus dem See trinken.

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Durch ein Staudamm-Projekt gefährdet: Das Selenga-Delta.

Die Bewohner rund um den Baikalsee sind stolz auf ihre Naturperle. Doch ist die Ökologie rund um den See unter Druck: So würde zum Beispiel ein geplantes Staudamm-Projekt in der Mongolei an der Selenga, dem wasserreichsten Zufluss, die Flora und Fauna des Sees gefährden, insbesondere im Selenga-Delta, wogegen sich lokale Naturschutz-Organisationen formieren. Auch sinkt seit einigen Jahren der Wasserpegel des Sees, offenbar verursacht durch die Klimaerwärmung.

Wenn man zur Erholung an den See fährt, sieht man nur das Naturparadies. Am südöstlichen Ufer endlose Sandstrände, im Sommer kann man sich in der sibirischen Sommerhitze (locker mal 30 Grad) im sauberen Wasser mit sehr angenehmen Temperaturen abkühlen, und im Winter kann man den See zu Fuss begehen und bei klarer Eisschicht den Boden tief unter seinen Füssen betrachten.

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Schwimmen an endlosen Sandstränden am Baikalsee zwei Autostunden von Ulan Ude.

Russisch ist nicht schwieriger als Englisch – wirklich?

Die Website Russia beyond the headlines bietet – auch auf deutsch – Nachrichten aus russischer Sicht und nebenbei auch viel Wissenswertes über Russland. So bin ich kürzlich auf diesen Artikel gestossen mit dem Titel: Warum ist Russischlernen so schwer?

Er fasst die vielen zum Teil recht schwierigen Hürden, mit denen auch ich beim Russisch-Lernen täglich konfrontiert bin, gut zusammen. Eine Hürde sind etwa die russischen Verben der Fortbewegung mit ihren Präfixen, die alleine einen ganzen Sprachkurs füllen könnten. Den wenn man auf Russisch «fahren» oder «gehen» sagen möchte, muss man vorher auch wissen, wo/wohin, wie oft und warum man fährt oder geht.


«Die Übersetzerin Okamoto beschreibt ihre Erfahrung so: „Ich habe mir bestimmt hundertmal das Lehrbuch mit den kleinen Bildchen vorgenommen, um zu verstehen, wann es prischjol und wann prichodil (beides er kam) heißt. Was bedeutet das? Wo ist er jetzt? Ist er geblieben oder schon wieder weg? Fürchterlich.“»


Um einem das Russisch-Lernen nicht ganz zu vermiesen, hat der Text zum Schluss eine optimistische Note:


Es gibt allerdings keinen Grund zu verzagen. Russisch ist in mancher Hinsicht leichter als andere Sprachen. Vor allem das Fehlen von Artikeln und die, verglichen mit europäischen Sprachen, geringe Zahl von Zeiten führen die Expertinnen an. (…) Anna Solowewa glaubt, dass die russische Sprache nicht schwerer zu erlernen sei als etwa Englisch.


Dem letzten Satz kann ich von Herzen widersprechen.

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Russland-Erlebnis für 15 Rubel

«Möchten Sie nicht aufstehen und Ihren Platz frei machen?», fragte die Rentnerin gegenüber höflich, aber bestimmt. «Hm?» entgegnete ich irritiert und blickte von meinem Smartphone auf. «Der Frau dort», kriegte ich zur Antwort. Als ich hinter mich blickte, sah ich eine junge Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm.

Russische Männer – oder zumindest viele unter ihnen – sind Machos. Entgegen vieler falscher Klischees, die bei uns über Russland herumgeistern, scheint dieses nicht ganz falsch zu sein. Sie würde niemals einen Russen daten, viel zu viel Macho-Gehabe, sagte die junge russische Sprachlehrerin zur Erheiterung von uns Sprachstudenten. Doch das Macho sein hat auch einen kleinen Preis: Im Bus, Tram oder in den oftmals vollgestopften Marschrutkas sind es immer die Frauen, die den Vorrang haben, wenn es um die verbleibenden Sitzplätze geht (wobei es natürlich auch in Russland eine gewisse Alters-Hierarchie gibt).

«Junge Frau mit Kleinkind auf dem Arm», das ist in der russischen Sitzplatz-Hierarchie etwa auf der gleichen Stufe wie «Greisin mit Krückstock». So stand ich, bevor ich nun ringsum empörte Blicke auf mich zog, schnellstens von meinem Sitzplatz auf und bot ihn der jungen Mutter an.

Marschrutka
Marschrutka

Von meinem Quartier bis zur Sprachschule gibt es eine Marschrutka- und eine Tram-Linie. Die Marschrutka – übrigens ein russischer Germanismus – ist ein universell einsetzbarer Kleinbus. Ob Kurzstrecken im lokalen Stadtverkehr oder achtstündige Fahrten bis zur nächsten Stadt – die Marschrutka ist hier fast immer das günstigste und am besten verfügbare Verkehrsmittel. Das erste Mal Marschrutka-Fahren buchte ich noch als «interessantes Russland-Erlebnis» ab. Doch nach einer Woche täglich Marschrutka-Fahren zur Schule suchte ich dann doch nach Alternativen. Nicht, dass das häufige Stehen an sich schlimm wäre – das Problem ist, dass sich viele Marschrutka-Fahrer keinen Deut darum kümmern, dass sie hinten stehende Fahrgäste haben. Bei jeder Kurve muss man sich gut an der Stange festhalten, um nicht auf die sitzenden Fahrgäste zu fallen, und bei jedem Rotlicht mindestens drei Mal, weil die Fahrer bei jedem Meter, den sie näher an die Ampel vorrücken können, kurz aufs Gas und gleich wieder auf die Bremse treten. Öko-Drive-Kurse, wie sie Berufschauffeure bei uns absolvieren, kennt man hier offensichtlich nicht.

Tram in Irkutsk
Tram in Irkutsk

Ich darf aber auch nicht zu viel reklamieren: Trotz einiger Unannehmlichkeiten ist das Preis-Leistungs-Verhältnis des öffentlichen Verkehrs hier unschlagbar: Eine Fahrt in der Stadt, egal welche Strecke und in welchem Verkehrsmittel, kostet hier 15 Rubel, also knapp 25 Rappen. Das finden sogar die Einheimischen günstig. Ein Abo zu lösen lohnt sich deswegen gar nicht und tut hier auch fast keiner.

Die gleichen 15 Rubel zahle ich aber auch für das Tram, weshalb dies mir eine gute Alternative zur Marschrutka schien. Doch unter einem Irkutsker Tram sollte man sich kein Züri-Tram vorstellen: Das Rollmaterial ist Jahrzehnte alt, und die meistens Schienen auch. Eine Tramführerin hier sieht aus wie Tante Klementine aus der Ariel-Werbung. Regelmässig muss sie ihren Führerstand verlassen und mit einer Eisenstange eine blockierte Weiche zu lösen. Im Inneren des Trams löst man beim Schaffner seine Fahrkarte. Und obwohl ich noch kein Tram ohne Schaffner gesehen habe, gibts ab und zu auch noch Billettkontrollen. Eine Form von staatlicher Arbeitsbeschaffung, und vermutlich sogar eine sehr kluge. Uniformen gibts übrigens keine.

Der Geräuschpegel im Tram ist hoch, das Tempo gemächlich. Gleichmütig ruckelt das Tram durch die Strassen Irkutsks, vorbei an alten Häusern, überfüllten Märkten und Vorstadtstrassen. Den rasenden Marschrutkas lasse ich gerne die Vorfahrt.

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Nachtrag: Andere Städte, andere Mentalitäten: In Ulan Ude, acht Fahrstunden von Irkutsk entfernt (für sibirische Weiten ein Katzensprung), ist Marschrutka-Fahren etwas komplett anderes als in Irkutsk. Ulan Ude liegt auf der anderen Seite des Baikalsees und gehört zur russischen Republik Burjatien. Die Burjaten wiederum sind ein mit den Mongolen verwandtes Volk und teilen neben der Religion auch viele andere Traditionen mit diesen. Ob es daran liegt, dass Marschrutka-Fahrer in Ulan Ude so langsam fahren, dass man das Gefühl kriegt, zu Fuss schneller zu sein und Fahrgäste gelegentlich ihre Marschrutka-Fahrer anhalten, doch bitte etwas schneller zu fahren?

Das Schengen-Visum

Ich hab hier vor ein paar Wochen gejammert, wie mühsam es ist, ein Russland-Visum zu erlangen. Das mag sein – aber es ist nichts zu dem, was Russen erwartet, wenn sie ein Schengen-Visum oder auch ein Visum für Kanada oder die USA beantragen.

Für mein Russland-Visum brauchte ich:
• den ausgefüllten Visumantrag mit Passfoto
• einen Einladungsbrief (von einer einladenden Person oder Organisation)
• den Nachweis einer Krankenversicherung

Den Einladungsbrief hielt dies bis vor kurzem für ein bürokratisches Relikt aus der Sowjetunion, doch dem ist nicht so: Auch wer ein Schengen-Visum beantragt, braucht eine solche Einladung.

Was Russen für ein Schengen-Visum aber zusätzlich noch brauchen:
• einen Originalnachweis eines Arbeitsverhältnisses (mit Angaben über den Verdienst)
• Originale der Bank-/ Kreditkartenauszüge mindestens über die vorangegangen drei Monate

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Der bürokratische Aufwand für ein paar Tage Ferien im Schengen-Raum ist für Russen also weitaus grösser. Russland wollte von mir keine Bankauszüge und auch keinen Nachweis eines Arbeitgebers sehen (ich musste lediglich auf dem Visumsformular den Namen meines Arbeitgebers angeben).

In Russland träumte man einst von einer visumsfreien Zone von Lissabon bis Wladiwostok. Dass davon nur Träume blieben, halte ich für eine verpasste historische Chance.